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13.12.2019

Ein Abwehrer der alten Schule

Tischtennis: Heinz Hötte (80) ist für die DJK Delbrück II in der 2. Kreisklasse immer noch ein wichtiger Motivator und Punktesammler.

Die Gegner könnten vom Alter her seine Söhne und Enkel sein..

Tischtennis kennt kein Alter. Da können sich in der Meisterschaft, gerade auf unterer Kreisebene, schon mal ein Opa und ein heranwachsender Teenie als Gegner an der Platte gegenüberstehen. Für Heinz Hötte sind solche Generationenduelle nicht ungewöhnlich. Der Oldtimer, eine Institution in der DJK Delbrück, ist 80 Jahre alt und im unteren Paarkreuz immer noch Aktivposten im Team der »Zwoten«, das in der 2. Kreisklasse spielt. Seine Gegner könnten auch seine Söhne oder Enkel sein. Apropos: Filius Markus (51), ebenfalls schon im gesetzteren Alter, spielt mit ihm im Team.

Das Alter ist nur eine Zahl. Heinz Hötte ist ein Abwehrer der alten Schule, ein passiver »Anti«; zugehörig der Spezies der Materialspieler, die niemand mag. Seinen Schläger ziert ein klassischer Anti-Top-Belag. Für nicht Eingeweihte: Der hat die eine Eigenschaft der nicht vorhandenen Griffigkeit, nimmt keine Rotation an und gibt den Drall stattdessen wieder an den Absender zurück.

So hat sich der Delbrücker Tischtennispionier in den vergangenen Jahrzehnten mit seiner markanten Art Respekt und einen Ruf als unbequemer Defensivspieler erworben. Geduldig und ausdauernd lauert Heinz Hötte auf Fehler seiner Gegner. Und die kommen. Seine aktuelle Bilanz an Brett sechs des Tabellenvierten: imponierende 5:1-Punkte (gesamt 8:7). Heute, Mittwoch (20.15 Uhr), steht das letzte Spiel der Hinrunde an. Als Gegner wird die „Vierte“ des TV Geseke erwartet. Im Erfolgsfalle kann der Tabellenzweite überflügelt werden.

Jedes Spiel ist eine neue Lektion. Die Älteren wie Heinz Hötte haben oft mehr »Händchen«, Ballgefühl, Taktik, mehr Übersicht und die psychologische Reife auf ihrer Seite. Die Jungen sind beweglicher auf den Beinen, experimentierfreudiger, spielen kraftvolleres Bum-Bum und haben oft die sauberere Technik. »18- oder 20-jährige Angriffsspieler mögen gegen Leute mit gleicher Spielweise wohl erfolgreich sein, aber wenn die Bälle immer zurückkommen, sie gegen mich letztlich keine Chance haben und verlieren, gibt’s schon mal ziemliche Wutausbrüche und fliegende Schläger«, verrät Heinz Hötte. Das ist irgendwo sogar verständlich. Es muss bitter sein fürs jugendliche Ego, als wahrscheinlich besserer Spieler von einem deutlich älteren Herrn vorgeführt zu werden.

23 Jahre lang stand Heinz Hötte bei der DJK Delbrück in vorderster Reihe, zwölf Jahre als Geschäftsführer, danach (ab 1988) elf Jahre als 1. Vorsitzender. Er hat den Verein in seiner Ära geprägt, hob nicht nur 1978 die Tischtennisabteilung aus der Taufe (und wurde mehrfach Vereins-, Stadt- und Kreismeister), sondern ebenso Karate, Badminton, Völkerball und Koronarsport. Auf dem Bücherschrank in seinem Arbeitszimmer steht in Reih und Glied eine stattliche Trophäensammlung, gut 50 Pokale mögen es sein. Als Vorbild fühlt er sich aber nicht unbedingt.

Einmal in der Woche spielt Heinz Hötte in einer Hobbytruppe Volleyball (»Beim Tischtennis habe ich bessere Reflexe«), noch länger ist der pensionierte Rektor der Philipp-von-Hörde-Förderschule in Lippling aber ein passionierter Skatspieler. Politische Zeitgeschichte in Gedichtform: Damit hat Heinz Hötte gleich mehrere Bände gefüllt. Eines seiner Werke in Versform trägt den Titel: »Vom Kanzlergeblende zum Wendetraumende«. Auch bei den festlichen Herbstbällen der DJK Delbrück im »Waldkrug« – dort hatte der Jubilar seine Tischtennisabteilung vor einigen Wochen zum 80. eingeladen und bekam ein rotes Trikot mit seiner Passnummer 001 geschenkt – hat er traditionell Selbstgereimtes vorgetragen.

Der demografische Wandel im Tischtennis wird nicht zuletzt durch ihn sichtbar. Der bodenständige Senior wäre nicht die allerbeste Wahl dafür, das TT-Image mit seiner komplexen Problematik – angestaubt, überalterte Klientel, nicht trendy – zu wandeln. Mitgliederzahlen sind allerorten rückläufig. Unaufgeregt, mit einem freundlichen Lächeln, entgegnet Hötte: »Dafür macht es mir Spaß, Tischtennis zu spielen, hoffentlich noch ein paar Jahre. Ich bin nicht überehrgeizig.« Und Gewinnen sei doch sowieso nicht alles. „Wir sind nun mal eine Randsportart“, fährt er fort. „Hier in Delbrück haben wir fünf Jugendmannschaften, aber viele Vereine betreiben gar keine Nachwuchsarbeit mehr. Dazu gibt es einfach eine unglaubliche Fülle an Freizeitangeboten«, sagt der Pensionär nachdenklich und tippt mit seinen Fingern auf einer imaginären Playstation herum. Er ist kein Freund dieser Beschäftigung, das ist zu spüren.

Je oller, je doller: Von Heinz Höttes Leidenschaft und Motivation für den Tischtennissport kann sich der ein oder andere etwas abschauen. Dass an der Platte Reaktion, Konzentration, Beweglichkeit und Koordination gefördert werden; für Hötte ein willkommener Effekt. »Man bleibt flexibel. Und das schadet ja nicht.«

Foto: Jörg Manthey

 

Quelle: Westfälisches Volksblatt

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